Berliner Mauer: Festgenommen für die Freiheit. Die Geschichte Falk Mrázeks

Am Morgen des 13. August 1961 reißen tausende Volks- und Grenzpolizisten mitten in Berlin das Straßenpflaster auf. Sie errichten Barrikaden, stemmen Betonpfähle in den Boden und spannen Stacheldraht auf. Dieses Provisorium ersetzen Bautrupps in den folgenden Tagen durch eine fast zwei Meter hohe, massive Mauer, die die politische Spaltung Deutschlands und Europas greifbar werden lässt.

Falk Mrázek ist 17 Jahre alt, als er am 14. September 1978 allein mit dem Zug von Bischofswerda nach Berlin fährt. Sein Ziel ist der Pariser Platz, das Brandenburger Tor, die Mauer. Unter den Augen zahlreicher Touristen unterläuft er unweit des berühmten „Hotel Adlon“ eine Schranke der Grenzanlage und betritt damit militärisches Sperrgebiet. Unbewaffnet und mit erhobenen Händen geht Mrázek auf den Grenzposten zu, der mit dem Gewehr auf ihn zielt – und lässt sich festnehmen. Der Jugendliche möchte mit dieser Aktion dem Ausreiseantrag seiner Eltern Nachdruck verleihen. Was folgt, sind endlose Verhöre durch die Staatssicherheit und ein Urteil zu 14 Monaten Haft. Mrázeks Geschichte führt ihn durch verschiedene Gefängnisse, bis er in einem Arbeitslager des Chemiekombinates in Bitterfeld landet, wo er unter unvorstellbaren Bedingungen arbeiten muss. Schließlich über das Kaßberg-Gefängnis in Karl-Marx-Stadt freigekauft, geht Mrázek in den Westen und in die USA, wo er lange arbeitet. Kurz nach seiner Rückkehr nach Deutschland im vergangenen Jahr, schreibt er seine Lebensgeschichte nieder. In „Erwachsenwerden hinter Gittern. Als Teenager im DDR-Knast“ erzählt Mrázek, wie sein Leben an der Berliner Mauer seinen entscheidenden Wendepunkt nimmt. Heute sind diese Erfahrungen Grundlage für seine Aktivitäten als Zeitzeuge u. a. am Lern- und Gedenkort Kaßberg-Gefängnis in Chemnitz.

Letztlich trägt die Berliner Mauer auch dazu bei, die DDR loswerden zu wollen. Sie ist der zu Stein verdichtete Beleg für das Versagen eines Staates. Das zeigt auch das Beispiel von Falk Mrázek deutlich“, so der Sächsische Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Lutz Rathenow. Falk Mrázeks Buch ist kürzlich in der Buchreihe des Landesbeauftragte erschienen.

Picknick ohne Grenzen – Aktion am 3. Oktober zur Ehrung von DDR-Flüchtlingen

Anlässlich des 30. Jahrestages der deutschen Wiedervereinigung am 3. Oktober 2020 ist ein „Picknick ohne Grenzen“ geplant. Im Zentrum stehen alle DDR-Bürger, die bis zum Sommer 1989 die DDR verlassen haben. Ziel des Treffens ist die Zusammenführung von Menschen, die sich im Rahmen ihrer Flucht kennen gelernt und wieder verloren haben. Eingeladen sind aber auch alle, die vor 1989 die DDR illegal verlassen haben oder wollten und inhaftiert wurden. Eingeladen ist auch, wer direkt oder indirekt Flüchtlinge unterstützt oder Fluchthilfe geleistet hat.

Zum Hintergrund

Viele Menschen, die sich während ihrer Flucht im Sommer 1989 begegnet sind, haben extreme Situationen und Abenteuer erlebt. Die Allermeisten haben untereinander den Kontakt verloren. Meist weil keiner wusste, unter welcher Adresse man später zu finden sein wird, oft aber auch, weil die ganze Situation traumatisch war und man im Westen einfach nur schnell sein neues, besseres Leben beginnen wollte. Schwermütige Erinnerungen passten da nicht rein.Am 19. August 1989 erreicht der Druck seinen Höhepunkt bei der bis dahin größten Massenflucht auf dem „Paneuropäischen Picknick“ an der österreichisch-ungarischen Grenze nahe der Stadt Sopron. Historiker sehen in diesem Ereignis ein wesentliches Element, dass schließlich zum Fall der Mauer geführt hat. Gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft e.V. soll eine Wanderausstellung entstehen, auf der Einzelschicksale exemplarisch den Zeitgeist von damals erlebbar machen sollen.

Die Initiatoren

Katrin Linke und Karsten Brensing sind im Sommer 1989 aus der DDR geflüchtet. Ihre Geschichte haben sie 2019 in dem Buch „Eine Liebe ohne
Grenzen – Unsere Flucht aus der DDR“ als erzählerisches Sachbuch im Lübbe Verlag veröffentlicht.

Kontakt

Picknickohnegrenzen@gmail.com
F: 0361/34196528
M: 0176/21918075

Nachruf auf Eckardt Scharf

Pressemitteilung 26 / 2019 vom 09.01.2020

Am Silvestertag, dem 31. Dezember 2019, verstarb Eckardt Scharf, Gründungs- und Vorstandsmitglied des Vereins Vogtland 89, im Alter von 65 Jahren. Das Engagement des gebürtigen Dresdners galt allem voran seiner vogtländischen Wahlheimat Oelsnitz. Als Stadt- und Kreisrat sowie als Geschäftsführer der Oelsnitzer Tourismus GmbH erhöhte Eckardt Scharf die Sichtbarkeit und die Außenwirkung der Großen Kreisstadt beachtlich.
Besonders am Herzen lag Eckardt Scharf die lebendige Vermittlung der deutschen Teilungsgeschichte. So setzte er sich im Freundes- und Förderkreis Julius-Mosen-Gymnasium Oelsnitz e. V. stark für dessen Vermittlungskonzept Leben am Eisernen Vorhang ein. Das sachsenweite Pilotprojekt richtet sich vorrangig an Jugendliche und Schüler, die Eckardt Scharf für die wichtige Aufgabe und Chance zu sensibilisieren versuchte, Geschichte aufzuarbeiten und zu verstehen. Mit Leidenschaft und Ideenreichtum setzte er dies in konkrete Projekte um. Nicht nur die Info-Tafeln entlang der ehemaligen Grenze, sondern auch die Publikationen des Förderkreises, die Grenztouren oder die Gespräche mit Zeitzeugen sind wichtige Belege für Eckardt Scharfs Arbeit.
Neben dem ebenfalls kürzlich verstorbenen Dr. Hartmut Seidel, dem früheren Mitglied und Sprecher der Gruppe der 20 in Plauen, gehörte auch Eckardt Scharf zu den Initiatoren des Vereins Vogtland 89, der auch die Vermittlung des Themas Leben am Eisernen Vorhang zum Ziel hat. Ein praktisches Beispiel hierfür ist die Wanderausstellung Grenzenloses Sächsisch-Bayrisches Städtenetz, die im Herbst 2019 in Zusammenarbeit zwischen dem Oelsnitzer Förderverein und Vogtland 89 sowie mit Unterstützung des Sächsischen Landesbeauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur entstand und besondere Schicksals- und Erinnerungsorte am Grünen Band vorstellt. Ein von Eckardt Scharf 2019 begonnenes Projekt konnte nicht vollendet werden. Gern unterstützt der Sächsische Landesbeauftragte das Projekt weiterhin und ermutigt den Freundes- und Förderkreis Julius-Mosen-Gymnasium Oelsnitz e. V., neuen Anlauf zu seiner Umsetzung zu nehmen.
Mit Eckardt Scharf verliert die kritische DDR-Aufarbeitung eine wichtige Stimme, einen engagierten Vermittler einer weltoffenen demokratischen Gesellschaft, im besten Sinne einen Macher und Mahner gegen das Vergessen. Der Sächsische Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur behält ihn und sein Wirken in ehrendem Gedenken. Nicht zuletzt wirkt Eckardt Scharfs Idee einer grenzüberschreitend lebendigen Erinnerung, Verständigung und Aufarbeitung deutsch-deutscher Geschichte fort, beim 24. Bundeskongress der Landesbeauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und der Folgen der kommunistischen Diktatur sowie der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur mit den Verfolgtenverbänden und Aufarbeitungsinitiativen, der am 15. und 16. Mai 2020 in Plauen stattfinden wird.

Lutz Rathenow
Sächsischer Landesbeauftragter zur Aufarbeitung der SED-Diktatur

Filmvorführung „Aufbrüche“

30 Jahre nach den Ereignissen im Herbst 1989 in Plauen war es aus Sicht des Vereins Vogtland 89 e.V. Zeit zu untersuchen, wie sich der anschließende Transformationsprozess im Vogtland vollzogen hat. So beauftragte der Verein den Plauener Filmemacher Tino Peisker, eine Reportage zu produzieren, die anhand von Zeitzeugeninterviews und Aufnahmen an authentischen Orten die gesellschaftlichen Umbrüche in den Jahren danach zu schildern. Bestandteil dieser Reportage ist aber auch eine sachliche Aufklärung über die Verhältnisse in der ehemaligen DDR sein. Grenzregime, Überwachung und Unterdrückung sind wichtige historische Wahrheiten, die der Film in das Bewusstsein des Zuschauers rücken soll.

Der Film wurde unterstützt durch das Förderprogramm „Revolution und Demokratie“ des Freistaates Sachsen, die Sparkasse Vogtland und die VR Bank Bayreuth-Hof eG. Premiere des 45-minütigen Films war am 04.10.2019 im Malzhaus Plauen. Weitere Aufführungen finden am 8. Oktober in Reichenbach, am 15. und 23. Oktober in Berlin, am 8. November in der VR Bank Plauen und am 16.11. in der Göltzschtalgalerie Auerbach statt.

Veranstaltungsprogramm „Welch ein Glück! O Freiheit!“ in Bad Elster

Anlässlich der friedlichen Revolution in der damaligen DDR und dem Fall der Berliner Mauer vor 30 Jahren gedenkt die Kultur- und Festspielstadt Bad Elster in Anlehnung an die Montagsdemos von Montag dem 4. November bis Montag den 11. November diesen historischen Tagen im Herbst 1989 mit speziellen kulturellen Angeboten und einem facettenreichen Veranstaltungsprogramm. „Vor dem Hintergrund aktueller Diskurse ist es uns dabei wichtig, einen kleinen Beitrag zur Erinnerungskultur dieser denkwürdigen Zeit zu leisten“ verdeutlicht Intendant GMD Florian Merz und ergänzt: „Gerade hier im ehemaligen Grenzgebiet ist dieses Gedenken somit nicht nur ein wichtiger Teil zeitgeschichtlicher Identität, sondern mahnt uns generationsverbindend für den Wert eines freien, weltoffenen Europas“.

Übersicht der Veranstaltungen zu 30 Jahren friedlicher Revolution und Mauerfall in Bad Elster

Mo 04.11. | 19.00 Uhr | Gemeindezentrum
MONTAGSFORUM
N.N.
Vortrag & Gespräch mit Dieter Leicht (Adorf/V.)

Di 05.11. | 19.30 Uhr | Theatercafé
WOLFGANG RIECK: »Der singende Mann«
Liedermacher

Mi 06.11. | 19.30 Uhr | Königliches Kurhaus
»DER LETZTE BALLONFLUCHTVERSUCH AUS DER DDR«
Ein bebilderter Tatsachenbericht von Jan Hübler

Do 07.11. | 19.30 Uhr | KunstWandelhalle
„WELCH EIN GLÜCK! O FREIHEIT!“
Eine Novemberserenade

Fr 08.11. | 18.00 Uhr | Königliches Kurhaus
»ZÄSUREN – 30 JAHRE MAUERFALL«
Vernissage zur Ausstellung des Deutsch-Deutschen Museums Mödlareuth

Fr 08.11. | 19.30 Uhr | König Albert Theater
WENZEL & BAND Liederpoesie

Sa 09.11. | 19.30 Uhr | König Albert Theater
Festveranstaltung zu 30 Jahre Mauerfall
»FIDELIO« – Premiere
Oper von Ludwig van Beethoven

So 10.11. | 19.00 Uhr | König Albert Theater
JAZZ – LYRIK – PROSA
ANNEKATRIN BÜRGER: »Heym-Spiel«
Musikalische Heym-Lesung

Mo 11.11. | 19.00 Uhr | König Albert Theater
Abschlussveranstaltung der Gedenktage zu 30 Jahren friedlicher Revolution
GREGOR GYSI: »Ein Leben ist zu wenig«
Lesung & Gespräch

 

Multivisionsshow „Wandern am Grünen Band“

Als Botschafter für das Grüne Band Thüringen geht der Abenteurer Mario Goldstein seit Oktober 2017 auf Tour– mit den schönsten Bildern seiner Wanderung. Im Sommer 2016 stellte sich der ehemalige Grenzflüchtling seiner eigenen Geschichte, traf Menschen mit packenden Lebens­geschichten und entdeckte Abenteuer und Vielfalt mitten in Deutschland. In der Multivisionsshow vermittelt Mario Goldstein seinem Publikum in eindrucksvollen Bildern, Interviews und Videos das Gefühl, hautnah dabei gewesen zu sein.

Erleben Sie mit ihm eines Nationales Naturmonument!

Wanderausstellung „Grenzenloses Sächsisch- Bayerisches Grenzgebiet“

Drei Jahrzehnte nach der Friedlichen Revolution und der Grenzöffnung gibt es in Sachsen noch immer einen großen Informationsbedarf, was das „Leben am Eisernen Vorhang“ während der deutschen Teilung bedeutete. Der Freundes- und Förderkreis des Julius- Mosen- Gymnasiums in Oelsnitz engagiert sich seit vielen Jahren für die lebendige Vermittlung der Geschichte im sächsischen Vogtland und bezieht Schülerinnen und Schüler bei dieser Arbeit ein.  So wurden an ausgewählten Standorten des ehemaligen Grenzgebietes Erinnerungstafeln aufgestellt. Das Vermittlungskonzept besitzt Pilotcharakter, da erstmals in Sachsen vorrangig für Schüler und Jugendliche exemplarische Zugänge zur Geschichte des Grenzregimes und zu den Erfahrungen des Lebens an der Grenze geschaffen wurden.

Ab dem 10. September macht eine Wanderausstellung unter dem Titel „Grenzenloses Sächsisch- Bayerisches Grenzgebiet“ auf diese Geschichte aufmerksam. Sie stellt Erinnerungsorte wie die sogenannten geschleiften Orte, Sperreinrichtungen, die Autobahnbrücke bei Pirk, den Grenzbahnhof Gutenfürst oder das Grüne Band im Vogtland vor. Die Ausstellung ist in Oelsnitz, Weischlitz, Plauen und Regnitzlosau zu sehen.